Fitter, Faster, Stronger, Hotter: Die FireFit European Championships 2021

Temperaturen über 35 Grad, eine Feuerwehrausrüstung von rund 40 Kilogramm und ein Schlauchpaket, das satte 20 Kilogramm auf die Waage bringt. Soweit die Eckdaten der FireFit European Championship, die während der Interschutz Community Days 2021 in Hannover ausgetragen wurden. Die einzige Abkühlung an diesen Tagen: Wasser aus dem Feuerwehrschlauch. Und der kam täglich zum Einsatz. Ob Tandem-, Staffel- oder Einzellauf – die Feuerwehrfrauen und -männer haben auf dem Messegelände Hannover gezeigt, was Feuerwehrsport bedeutet.

Inge Fuchs

Extreme Bedingungen, extreme Ergebnisse

Dreimal schrilles Piepen. Das ist das Startsignal vor jedem Lauf. 60 Stufen HAIX Tower, bepackt mit Schlauchpaket und in voller Atemschutzmontur. In zwölf Metern Höhe heißt es dann: „Zieh, zieh, zieh!“ Das am Turm baumelnde Schlauchpaket schießt nach oben. Und schon trippeln die Beine wieder abwärts. „Schnelle Füße!“, so die Devise. Die nächsten Stationen warten schon: Schlagmaschine, Slalom, Brand löschen. Dann der Endgegner. Dummy Randy mit rund 90 Kilogramm. Mit ihm im Schlepptau geht es 30 Meter rückwärts über den rot-gelben Parcours. Am Ende ein Knall auf die Zielmatte – geschafft!

Der Parcours hat es in sich, genauso wie die Athletinnen und Athleten. Der schnellste Mann an diesem Wochenende ist Tomasz Grzelak vom Team Warsaw mit einer Zeit von 01:23.81. Die schnellste unter den Frauen ist HAIX-Sportlerin Meghann Krüger. Mit 02:20.36 erreicht sie ihre persönliche Bestzeit. Zusammen mit HAIX-Athlet Pascal Dülge kassiert sie mit einer Zeit von 01:44.74 im Tandem Mixed einen weiteren Europatitel. Meghanns Erfolgsformel? Kreuzheben, Kniebeugen und ganz viel Kopftraining. Außerdem sei es wichtig, sich im Training exponentiell zu steigern. Wie Pascal setzt Meghann zur Vorbereitung auf Intervallläufe. „Erst in Sportklamotten, dann in der Dienstkleidung, dann mit Atemschutzgerät am Rücken“, so die Feuerwehrfrau.

Endlich wieder miteinander kämpfen

Von Polen über Tschechien bis Frankreich – über 400 Feuerwehrleute kommen in dieser Woche in Hannover zusammen. Es ist wie ein großes Familientreffen, auf das alle sehnsüchtig gewartet haben. Sogar ein iranisches Team geht an den Start und auch Sean Sullivan aus Frankfort, Kentucky hat die lange Anreise auf sich genommen. „Ich wollte die Chance nutzen, gegen die besten Feuerwehrleute Europas anzutreten. Nicht viele von ihnen kommen zu den amerikanischen Wettkämpfen, daher hat mich die Herausforderung hier besonders gereizt“, so Sullivan. Der 47-Jährige belohnt seinen Ehrgeiz mit einer Zeit von 01:29.46 und somit dem ersten Platz in seiner Altersklasse.

„Vor allem durch die Corona-Pause hatte ich keinerlei Erwartungen“, sagt HAIX-Athlet Pascal. In seinem Finallauf tritt er gegen Adam Spychała, einen der großen Favoriten an. Dass sein Lauf einer der spannendsten des gesamten Wettkampfs wird, hat er wohl genauso wenig erwartet. „Oben am Turm war ich einen Schritt vor Adam am Seil – das hat mich mega gespusht!“ Und auch die Stimmung an der Bahn schiebt Pascal nochmal richtig an. „Erst als ich mit dem Dummy ins Ziel gefallen bin, habe ich gesehen, dass Adam viel zu früh gestürzt ist.“ Der Sportsmann fühlt mit seinem Kontrahenten und bedauert dessen Fall: „Wahrscheinlich war der Druck für ihn zu diesem Zeitpunkt auch enorm hoch.“

Noch lange nicht genug

Kaum eine Woche nach den Europameisterschaften ging es für viele der Sportlerinnen und Sportler zur nächsten FireFit nach Toruń, Polen. Mindestens fünf weitere Termine stehen dieses Jahr noch an, unter anderem in Dortmund, Sachsen-Anhalt, Südtirol und Kroatien. Egal ob Feuerwehrverrückt oder einfach nur Fan von spannungsgeladenen Wettkämpfen – wer in Hannover nicht dabei war, sollte eine der nächsten Chancen definitiv nutzen.